EduTale

 Ihr Spezialist für rollenspielpädagogische Konzepte, Beratung und Materialien

Wilkommen bei der Kramkiste, dem EduTale-Blog!

Hier erscheint jeden Monat ein neuer Beitrag rund um Rollenspiele. Dabei kann es um Systeme, das Spiel mit unterschiedlichen Zielgruppen, praktische Erfahrungen und theoretische Gedanken gehen. Viel Spaß beim Lesen!



EduTale® Rück- und Ausblick (31.12.2021)

Ich möchte euch in diesem Beitrag, passend zum Jahreswechsel, einen Rückblick auf zwei Jahre EduTale® und einen Ausblick auf das Jahr 2022 geben.

Vor zwei Jahren im Januar 2020 habe ich EduTale® gegründet mit dem Ziel, meinen Aktivitäten im Pen-&-Paper Rollenspiel einen rechtlichen Rahmen zu geben und sichtbar für die Außenwelt zu werden.

Der erste Auftritt als EduTale® war dann bei einem Vortrag beim Westermann Verlag Anfang 2020. Schon dort zeigte sich, wie schnell Lehrende sich für den Einsatz von Pen-&-Paper Rollenspielen begeistern konnten. Gespielt wurde in einem 1 Tages Workshop das selbst entwickelte Spiel „Abenteuer im Märchenwald“ – eine Reise von Esel, Hund, Katz und Hahn durch eine von Zwergen und Wildschweinen besiedelte Märchenwelt. Bestärkt wurde ich auch durch das Feedback, dass ich durch meine Auftritte auf dem Educators Day der SPIEL in Essen in den letzten zwei Jahren erhalten habe.

Gleichzeitig begann meine Arbeit in der Ergotherapiepraxis Heiligenstock in Bergisch Gladbach, die bis heute fortgeführt wird. Aus einer gemeinsamen Idee mit der Therapeutin entstand eine Erfolgsgeschichte, in der bis heute rund 50 Kinder ergotherapeutische Förderung mit Pen-&-Paper Rollenspielen erhalten haben. Die dort erhobenen Daten zeigen eine signifikante Verbesserung ergotherapeutisch relevanter Parameter, das fachliche Feedback von Ärzten und der Therapeutin ist sehr positiv. Und den Kindern macht es einfach Spaß.

Erste Workshops für Lehrer_Innen, Ergotherapeut_Innen und Logopäd_Innen entstanden 2021. „Das es so viele Möglichkeiten gibt“ war eine typische und motivierende Reaktion der Teilnehmenden. Daraus entstanden erste Netzwerke von Therapierenden, die sich mit dem Einsatz von Pen-&-Paper Rollenspielen als Therapiemethode beschäftigen.

Wird Pen-&-Paper Rollenspiel und Education in einem Atemzug genannt, fällt mir sofort das edurpg barcamp des Waldritter eV ein. An dem nahm ich mit unterschiedlichen Vorträgen in den letzten zwei Jahren teil, und knüpfte wichtige Kontakte und teilweise auch Freundschaften.

Das Vernetzen in der #pnpde Szene, als auch in den Räumen möglicher professioneller Anwender von Rollenspiel zeigte langsam Früchte. So wurde ich zum Jubiläum der deutschen dnd Community eingeladen, etablierte den Austausch mit der therapeutischen ttrpg Szene in den USA und England und konnte das EduTale® Konzept der Firma Evonik vorstellen, die sich weiter intern damit auseinander setzen wird.

Blicke ich zurück sehe ich viel Gutes. Deshalb jetzt ein schneller Blick ins Jahr 2022:

Ich werde mich noch intensiver und fokussierter mit bestimmte Anwendungsbereiche von Pen-&-Paper Rollenspielen beschäftigen. Dazu gehört sicherlich die Anwendung im therapeutischen Bereich und Schulen. Aber auch die Anwendung in Unternehmen und im Freizeitbereich. Dazu werde ich neue Workshops entwickeln und anbieten.

Seit Dezember bilde ich mich zu Fachtherapeut Schule weiter mit spannenden Inhalte wie Graphomotorik und Konzentrationsstörungen: Bereiche, die gezielt durch spezifisch aufgearbeitete Pen-&-Paper Rollenspiele gefördert werden können.

Und im Frühjahr wird EduTale® in einem neuen Design erstrahlen – mehr möchte ich aber nicht verraten.

Bleibt gespannt und neugierig.


Pen-&-Paper Rollenspiele in der Familie (19.12.2021)

Spielen im alten oder neuen Freundeskreis ist super. Viele, die schon lange spielen, verknüpfen das Spielerlebnis mit einer gewissen Peer-Group, es gibt jedoch keinen Grund, sich auf diese Gruppen zu beschränken, das führt eher zu Exklusion in der Rollenspielszene. Umso schöner ist es zu sehen, dass immer mehr Familien das Pen-&-Paper Rollenspiel für sich entdecken. Auch für meine professionelle Beschäftigung mit dem Thema war das Spielen in der Familie und die spannenden Beobachtungen, die ich dabei gemacht habe, der Auslöser. Deshalb möchte ich euch ans Herz legen, mit euren Familien zu spielen:

1. Wenn wir miteinander spielen, hören wir uns intensiv zu. Kinder lassen sich gerne Geschichten erzählen und hier dürfen sie dabei selbst aktiv werden. Das wird schnell zu einem spannenden, intensiven Erlebnis. Sie erleben außerdem, dass ihnen selbst zugehört wird und das, was sie sagen, relevant ist und Auswirkungen auf das Spiel hat.

2. Man kann seine Familienmitglieder von einer anderen Seite kennen lernen. Im Spiel können sie andere Rollen auf verschiedenen Ebenen einnehmen, dabei haben Kinder oft wenig Hemmungen, eine Rolle auszuspielen und lassen sich intensiv auf eine Geschichte ein. Meine Erfahrung ist außerdem, dass sie die Mechanismen des Spieles schnell begreifen. Man kann oft schneller als gedacht das Spiel aus der Hand geben, Entscheidungen des Worldbuildings abgeben und sie auch selbst leiten lassen (Meine Großen haben mit neun ihre ersten Abenteuer nach Textvorlage geleitet, aber auch die Sechsjährige kann schon einfache Abenteuer als Landkarten plotten und leiten).

3. Ein netter Nebeneffekt ist dabei, dass sie aktiv lernen, wie Geschichten aufgebaut werden. Davon haben sie in Klassenarbeiten schon profitiert (weshalb ich auf die Idee kam, es didaktisch zu nutzen). Sie lernen aber auch, wie an eine Person beschreiben kann, dass Figurenmotivation wichtig für eine Geschichte ist und – und das ist mein persönlicher Anspruch – dass es viele Möglichkeiten geben kann eine problematische Situation zu lösen und Gewalt meist die schlechtere Wahl ist.

Und hier bin ich an dem Punkt, der mir besonders wichtig ist: Mit den Geschichten, die wir erzählen offenbaren wir einen bestimmten Blick auf die Welt. Ich möchte hier keine verkürzte Schwarz-Weiß-Sicht verstärken. Bösewichte sind nicht böse, weil sie böse sind, auch die haben eine Motivation. Wir können diese Interaktionen spielen und Figuren im Spiel können kommunizieren. Das ist auch für Kinder nicht zu komplex: Allerdings müssen manche das erst lernen, weil sie aus Computerspielen andere Strategien gewohnt sind. Gleichzeitig sollte man offen dafür sein, Motive aus den Interessensgebieten der Kinder zuzulassen, auch wenn sie zunächst nicht in die eigene Vorstellung von Rollenspiel passen.

Wir haben beispielsweise mit meinem Sohn ein Abenteuer gespielt, zu dem er sich durch ein GIF inspirieren ließ: Eine tanzende Banane. Dieses Abenteuer hatte alles: Spurensuche, Action, tragische Wendungen, geheime Investigation, eine Verfolgungsjagd und plotrelevantes Tanzen. Es war spannend und unterhaltsam,  für die größere und die kleinere Schwester und auch für uns als Eltern. Und ich muss zugeben: Da wäre ich niemals selbst drauf gekommen.  

Jetzt schreibe ich die ganze Zeit vom Spielen mit Kindern, da muss man aber nicht stoppen. Ich habe es jetzt auch mal mit meiner Mutter und meiner Tante ausprobiert und auch das hat wirklich gut funktioniert, ich habe mich eigentlich nur gefragt, warum ich es nicht vorher ausprobiert habe. Zu Beginn kostete es sie etwas Überwindung sich mit etwas zu beschäftigen, was keinen offensichtlichen Sinn ergibt, dabei nur für sich selbst und nicht für die Kinder gedacht ist und sich in die Geschichte hineinfallen zu lassen. Auch hier war es eine intensive, gemeinsame Zeit in der man sich selbst, die anderen und den Blick auf die Welt neu kennengelernt hat.

Spiele für alle:

Monsterjagd (Uhrwerk Verlag): Das Spiel ist vor allem für kleinere Kinder konzipiert und in verschiedenen Komplexitätsgraden spielbar. Die Alltagswelt wird mit Monstern ergänzt, die alle bestimmte Eigenschaften haben. Wer ein Monster kennt und sich ihm gegenüber richtig verhält, hat hier die besten Chancen und kann sich vielleicht auch mit ihm anfreunden.

Beyond the Wall (System Matters): Wem auch diese Regeln noch zu schwierig sind (abgespecktes oldschool D&D) kann sie leicht noch etwas vereinfachen. Das Spiel ist durch sein bodenständig fantastisches, teils märchenhaftes Setting mit wenig Änderungen (zu Gruseliges oder Gewalt abschwächen) für Kinder und Großeltern gut geeignet. Auch der Dorfcharakter und die NSCs sind für die Älteren etwas, woran sie gut mit Erfahrungen anknüpfen können. Bei nachlassender Sehfähigkeit die Infos aus dem Charakterbogen einfach in größerer Schrift drucken.

Und dann finde ich Rollenspiel besonders wertvoll: Wenn man es teilt, damit der Blick sich erweitern kann und es nicht in seiner exklusiven Gruppe immer in gleicher Form wiederholt. Familie ist erstmal recht exklusiv, aber durch die Generationenstruktur kann es von hier aus leicht geteilt werden.

Eure Kathrin Fischer


Würfel im Rollenspiel (26.11.2021)

Würfel sind teilweise zum Symbol für Rollenspiele geworden. Manche Spieler bezeichnen sich als „Dice-Goblins“ und horten ihre Kullersteine wie Schätze. Die Würfel bringen Zufall ins Spiel, sie rollen, kullern, glitzern und funkeln, werden mittlerweile zu Sammel- und Statusobjekten in der Bubble. Für manche Spiele braucht man viele, für andere nur einen Würfel, aber braucht man sie überhaupt?

Ich will hier niemandem die Sammelleidenschaft vermiesen, sondern überlegen, welche Funktion die Würfel im Spiel haben, ob sie substituiert werden können oder überhaupt nötig sind.

Die Würfel sind letztlich ein Zufallsgenerator und in Brettspielen üblich. In Rollenspielen benutzt man prinzipiell meist einen oder einige der platonischen Würfel mit vier, sechs, acht, zwölf oder zwanzig Seiten oder Würfel mit zehn Seiten. Sechsseitige Würfel haben den Vorteil würfelförmig und in jeder Spielesammlung auffindbar zu sein, mit zwei zehnseitigen Würfeln kann man wunderbar Wahrscheinlichkeiten in Prozent einschätzen. Natürlich kann man auch einen Würfelsimulator benutzen oder andere Zufallsgeneratoren wie Kartenspiele oder eine undurchsichtige Flasche mit bunten Murmeln oder einen Beutel, aus dem man blind Steine zieht. Würfel bestechen allerdings besonders durch ihre Haptik.

Gerade beim Einsatz mit jungen Kindern benutze ich gerne Würfel: Die verschiedenen Würfel zu unterscheiden ist für sie spannend. Sie müssen da genau hinsehen, die Form sprichwörtlich begreifen. Die Routine des Würfel Werfens (Wann wird geworfen? Womit wird geworfen? Wohin wird geworfen? Ich habe dazu ein Fließdiagramm entwickelt :-)) schafft strukturierte Aktion. Außerdem entsteht Spannung im Hinblick auf den ungewissen Erfolg. Bei älteren Kindern geht es dann zunehmend um Strategie: Welche Aktion hat die größte Aussicht auf Erfolg? Nehme ich 1W8 oder 1W6+2? Hier wird es langsam mathematisch, ohne dass die Spielerinnen es merken. Gleichzeitig gibt es immer mehr Situationen, in denen ich nicht würfeln lasse, weil die Spielerinnen die Handlungen so gut erzählen, dass eine Würfelprobe die Geschichte nur aufhalten würde und keinen Mehrwert hätte.

Und hier stelle ich dann fest, was Würfel für mich eigentlich sind: sie sind eine Krücke, ein Werkzeug, dass ich benutze und das mir hilft. Die Kinder lernen etwas damit. Es nimmt mir Entscheidungen in der Geschichte ab und erzeugt Spannung. Wenn ich aber richtig intensiv spielen und nicht Kindern etwas beibringen oder selbst abschalten möchte, dann spiele ich nicht mit Würfeln. Dann reicht es zu beschreiben und zu erzählen. Wenn die Mitspielerinnen alle die gemeinsame Geschichte als Ziel haben und es nicht darum geht „zu gewinnen“, dann sind die Beiträge spannend und überraschend genug, dann brauche ich keine Würfel.

Ich benutze trotzdem weiter Würfel, denn sie sind hübsch und fühlen sich schön an – und sie nehmen mir Entscheidungen ab. Und davon treffen wir ja alle täglich genug. Was meint ihr?




Wer jetzt doch schöne, handgemachte Würfel haben möchte, werde ich natürlich nicht aufhalten. Wenn ihr dabei einen kleinen, feinen Anbieter unterstützen möchtet empfehle ich gerne TheHalflingsDen.

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